Idee

Lokal denken und fühlen als Voraussetzung für regionales Marketing mit Langzeiterfolg

"Wir werden unseren Laden wohl bald dichtmachen müssen - die Leute kaufen ja nur noch bei Amazon oder im Einkaufszetrum auf der grünen Wiese." Wer kennt diesen Stoßseufzer nicht?

Und für viele kleine Betriebe, deren Einzugsbereich die Region oder den Ort kaum überschreitet, stimmt dieser Seufzer vordergründig auch. Und ein Teufelskreis setzt ein: Die Kunden gehen fremd, das Geld wird knapper, die Investitionen in Modernisierung und Service auch, die Kunden bleiben weg, das Gejammer über die Treulosen ist groß. Und längst sind davon nicht mehr nur "Tante-Emma-Läden", kleine Einzelhandelsgeschäfte oder Handwerksbetriebe betroffen. Inzwischen kann man ALLE Produkte auch per Internet kaufen. Zunehmend aber auch Dienstleistungen.

Ist diese Entwicklung überhaupt noch aufzuhalten?

Nein. Weil...
... die Fortschritte in Internet und digitaler Kommunikation täglich größer werden. Schritte zurück wird es nicht geben.

Ja. Wenn...
... die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass die Menschen sich mit ihrem Ort / ihrer Region identifizieren. Und bei "Tante Emma" kaufen, den Handwerksbetrieb vor Ort beauftragen, die Kartoffeln direkt vom Hof abholen, weil sie davon etwas haben: Ein gutes Gefühl, ein gutes Gespräch, guten Service zum Beispiel.

Ja + nein = JA. Wenn...
... das eine genutzt wird, um das andere zu erreichen. Nie war Vernetzung so einfach wie jetzt in den Zeiten von Internet, digitaler Kommunikation und sozialen Netzwerken. Und Vernetzung ist eine wesentliche Voraussetzung für das Entwickeln eines Gemeinschaftsgefühls auf lokaler Ebene. Der Grad der Vernetzung ist allerdings derzeit noch eine Frage des Alters - Menschen älter als 65 sind oft "außen vor". Eine generationenübergreifende stabile Gemeinschaft aber funktioniert nur, wenn die Teilung des Alltags in On- und Offline-Welt überwunden wird - eine lebendige soziale und wirtschaftliche Infrastruktur ist auf alle Bevölkerungsgruppen angewiesen.

Derzeit ist ein scheinbar verrückter Trend zu beobachten: Die meist verkaufte Publikumszeitschrift ist derzeit - und das schon seit geraumer Zeit - die Zeitschrift "Landlust". Gekauft überwiegend von Großstädterinnen. Und in den Großstädten gibt es gerade eine Lieblingsbeschäftigung: Gemüse anbauen, regional einkaufen, Nachbarschafts-Netzwerke gründen, Selbstgemachtes anbieten, regionale Märkte initiieren, tauschen, teilen, mitteilen... Die schönen Seiten des Dorflebens (oder das, was man dafür hält) werden in die Großstadt geholt. Und auf dem Dorf fragen sich die Menschen, wo die "schönen Zeiten" eigentlich geblieben sind.

Einen wesentlichen Anteil an der Entstehung dieser lokalen Netzwerke und Initiativen in der Großstadt haben die verschiedenen Vernetzungsplattformen im Internet. Ohne diese wäre es kaum denkbar, sich zu finden, zu treffen, zu verabreden, Aktionen zu planen - und die älteren Menschen mit hineinzunehmen. Profitieren können davon alle: Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen, Gewerbebetriebe, soziale Einrichtungen. Man fühlt sich lokal verbunden und kauft dann auch entsprechend vor Ort. Vorausgesetzt, die Gewerbebetriebe erkennen das Potenzial und stellen sich auf die Bedürfnisse der (potenziellen) Kunden ein.

Mit civitano und meiner Vision von einem regionalen/lokalen Marketing wird das bekannte Prinzip "global denken, lokal handeln" auf den Kopf stellt:

Lokal denken (und fühlen) ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns darüberhinaus für die Region, das Land und die Welt engagieren. Im Mittelpunkt der civitano-Idee steht die Offensive zur Schaffung einer lokalen Identität. Es geht darum, Menschen für ihre Region, ihren Ort, ihre Nachbarschaft und deren Institutionen zu begeistern. Und wo Menschen sich mit ihrem Ort identifizieren, bleibt man gern, kommt man gern zurück oder geht ganz neu hin. Davon profitieren auch die Gewerbebetriebe, die nicht in erster Linie auf die Vermarktung vor Ort angewiesen sind.

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