Montag, 12. Mai 2014

Können Sie nicht mal im Wald auf Ihr Handy verzichten?

Wie Online- und Offline-Welt sich gegenseitig bereichern - auch im Wald

Diese Zeichnung sagt vieles - auch ohne Worte. Und sie ist Programm. Mein Programm.

(Und sie hat - ganz legal übrigens - bereits Karriere gemacht und ziert das Logo eines Betriebsrats.)

In meinem Beruf und bei meinen zahlreichen Hobbys spielt das Internet eine zentrale Rolle. Eigentlich bin ich permanent online (was nicht gleichbedeutend ist mit "permanent mit dem Smartphone hantierend"). Und doch bin ich ein ebenso leidenschaftliches soziales Wesen in der "realen Welt". Wer mich kennt, weiß, dass ich diese Unterscheidung zwischen virtueller und realer Welt für längst überholt halte. Das Internet ist nicht Gegen-Teil der realen Welt. Warum?


Das Internet mit all seinen Möglichkeiten ist für mich niemals Selbstzweck. Vielmehr nutze ich es in einem gegenseitigen Prozess: Ein reales Ereignis bzw. ein reales Anliegen wird unterstützt durch vielfältige Online-Instrumente - das Internet wird bereichert durch das Einspeisen von neuen Informationen. Stopp. Das klingt mir jetzt viel zu abstrakt. Es geht mir ja gar nicht um "das Ereignis" oder "das Internet" an sich.

Es geht mir um Menschen. Menschen, die ein Anliegen haben, die sich für eine Sache und die Gemeinschaft einsetzen, andere gewinnen und motivieren wollen, gern Informationen austauschen und Wissen weitergeben, für Neues offen sind, die Welt ein wenig bunter, l(i)ebenswerter, sozialer, interessanter machen wollen. Und - ja, es geht auch um Menschen, die Erfolg, Bestätigung und Anerkennung suchen. Beruflich wie privat.
Seit meiner Rückkehr in die Heimat, den Harz, begegne ich häufig Menschen, die in Bezug auf das Internet und dessen Nutzung für soziale Interessen mit großer Abwehr reagieren ("ich brauche das nicht, ich habe noch Freunde in der echten Welt"). Leider wissen diese Abwehrer in der Regel gar nicht, was sie da eigentlich ablehnen - sie probieren es ja gar nicht aus.

Letzens auf einer meiner zahlreichen ausgedehnten Wanderungen stand ich am Rande eines Weges und "hantierte" mit meinem Smartphone. Eine Gruppe von Spaziergängern zog an mir vorbei. Nicht aber, ohne mir eine spitze Bemerkung aus dem Munde eines - wie mir schien - etwa gleichaltrigen Mannes vor die Füße zu werfen: "Können Sie nicht mal im Wald auf Ihr Handy verzichten?" Ich verzichtete auf einen Kommentar. Die Erklärung, warum ich auch hier mitten in schönster Natur online bin, wäre zu lang gewesen.

Nun werden gerade diejenigen, die solche unbedachten Kommentare von sich geben, höchstwahrscheinlich nicht ausgerechnet über diesen meinen Blog stolpern und meine Erklärung hier nachlesen. Die Antwort schreibe ich aber trotzdem. Für alle, die sich bereits ein wenig im Internet umschauen. Und vor allem für alle, die wie ich immer wieder gern beweisen, dass uns das Internet neue Möglichkeiten verschafft, unseren Horizont erweitert und das tägliche Leben erleichtert.

Was also tat ich mit dem Smartphone im Wald?
  1. Da ich eigentlich immer allein unterwegs bin, ständig neue Wege erkunde und mir selten andere Menschen begegnen, die ich notfalls nach dem Weg fragen könnte, zeichne ich meine Touren mittels Smartphone-App auf. Auf einer digitalen Karte kann ich verfolgen, wo ich mich gerade befinde, in welcher Richtung der Hauptweg liegt (den ich gern auf Nebenwegen und Trampelpfaden verlasse) und wie ich vor alllem verhindere, dass ich mich verlaufe. Notfalls kann ich anhand der Aufzeichnung wieder zurückgehen, falls mich ein Weg mal auf totale Abwege führt. Ohne diese Hilfe würde ich wohl nur die ausgeschilderten (ausgetretenen) Pfade benutzen. Was mir so manche Entdeckung vorenthalten würde.
  2. Die Aufzeichnung meiner Tour erlaubt mir, an jedem Punkt meiner Wanderung Markierungspunkte zu setzen, Wegbeschreibungen hinzuzufügen, den neu entdeckten Hang mit den Himbeersträuchern für die Sommerernte vorzumerken und alle Fundstellen der zahlreichen Wildkräuter einzuzeichnen (die ich leidenschaftlich gern sammele und später wiederfinden möchte).
  3. Notfalls kann ich - sollte ich mal Hilfe brauchen - nicht nur Hilfe per Telefon rufen, sondern meinen bisher zurückgelegten Weg mit meinem Online-Ordner "Meine Tracks" synchronisieren. Menschen, denen ich Zugang zu diesem Ordner gewähre, können so blitzschnell ermitteln, wo ich mich gerade befinde. Vorausgesetzt, mir geht es noch so gut, dass ich diese einfach zu bedienende Funktion noch aktivieren kann (aber eine gewisse Form von Fingerfertigkeit ist ja auch beim Notruf-Telefonieren notwendig).
  4. Und nun kommt die soziale Komponente ins Spiel: Meine Aufzeichnungen übertrage ich zuhause online in eine digitale Karte. Da verzeichne ich Hütten, Bänke, Aussichtspunkte, Quellen, Trampelpfade, defekte Brücken, rutschige Abhänge, Abkürzungen... Alles das, was auf keiner offiziellen Karte verzeichnet ist, für Wanderer aber sehr hilfreich sein kann. Aussagekräftige Fotos ordne ich markanten Punkten zu. Und diese Karte kann ich veröffentlichen (also für jede/n nutzbar machen) oder sie mit einem eingeschränkten Kreis von Freunden teilen - die wiederum ihr eigenen Erfahrungen dort eintragen können. Was für ein interessanter Austausch.
  5. Und zum krönenden Abschluss: Nach Beendigung der Tour gibts eine Auswertung. Ich weiß dann, wie lang meine Wanderstrecke war und wie lange sie gedauert hat, wieviel Höhenmeter ich überwunden habe, kann Höchst- und Durchschnittsgeschwindigkeit ablesen. Und ich sehe, wieviel Stück Torten ich kalorienmäßig unterwegs verbrannt habe (die, die ich mir nach der Wanderung von Herzen gönne). Muss man nicht wissen (und zu den Kalorienzählerinnen gehöre ich schon mal gar nicht) - macht aber Spaß zu wissen.

Also alles dabei: Bereicherung, Orientierung, sozialer Austausch, Sicherheit, Informationen sammeln und verfügbar machen, Horizonterweiterung, Erfahrungen notieren und auswerten, etc., etc.

Braucht man alles nicht? Ich schon. Jedenfalls möchte ich nicht darauf verzichten. Und weil es - eben auch im beruflichen Zusammenhang - viele weitere Beispiele für das gelungene bereichernde Zusammenspiel von On- und Offline-Welt gibt, werde ich künftig an dieser Stelle häufiger darüber berichten.

Außerdem hätte ich da ein paar Ideen, wie man solche Karten im Marketing einsetzen könnte...

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